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Das nächste Level im Visier

Gestern wurde uns echt viel Geduld abverlangt. Eineinhalb Stunden Autofahrt zum Krankenhaus und dort durften wir geschlagene 4 Stunden warten, bis wir einen ersten Kontakt zum Arzt hatten. Das ist mir jetzt auch noch nie passiert, das ich so lange warten musste. Ich hatte schon mit 2 Stunden Wartezeit gerechnet, aber 4 Stunden hat sogar mit mächtig überrascht und gefordert.

 

Zuerst hat der Assistenzarzt alles aufgenommen und vermessen. Dabei konnte ich nicht nur einen Blick auf meine Röntgenbilder werfen, sondern durfte auch gleich das Bild von meinen aufgerissenen Fingern sehen. Mir ist erst mal der Mund offen geblieben. Das sah ja schrecklich aus. Die sind wirklich an der Stelle auseinandergersissen worden und da hing jede Menge raus.

 

Interssant waren auch die Röntgenbilder. Bei den drei verletzten Fingern saß beim mittleren Gelenk kein Stein mehr auf dem anderen. Die oberen Fingerstücke waren alle neben dem Gelenk versetzt. Und noch krasser fand ich ja den Ringfinger und den kleinen Finger. Die hat es buchstäblich ineinander verdreht und waren auf dem Röntgenbild nur noch als ein Finger wahrnehmbar. Lediglich an der Fingerwurzel am untersten Gelenk konnte man noch sehen, das es eigentlich 2 Finger sind.

 

Jo, jetzt wundert es mich auch nicht, das mir der kleine Finger noch Schwierigkeiten macht. Der wurde bei dem Unfall eben auch total aus der Umlaufbahn geworfen.

 

Nach der ersten Bestandsaufnahme kam der Oberarzt dazu und hat sich nochmal alles schildern lassen und die Daten angesehen. Im Oktober muss ich zum Kontrolltermin, bis dahin trage ich unter anderem dieses unscheinbare Klettteilchen. Es wird sehr straff um meine verletzten Finger gewickelt und soll sie noch weiter in die Beuge bringen. Am Montag muss ich noch mal hin, da wird mir eine neue Streckschiene angefertigt, da meine jetztige Quengelschiene schon nach 3 Wochen ausgereizt ist. Bis hierhin hat sie sehr gute Vorarbeit geleistet, aber jetzt müssen die Finger eben noch intensiver gebeugt und gestreckt werden.

 

Dieses Klettverband soll ich Nachts, so lange es möglich ist, tragen. Heute Nacht musste ich ihn dann irgendwann abnehmen, weil einfach nicht mehr ging, nach einigen Stunden. Aber meine Sehnen, Muskeln und Gelenke sind echt geil, ich kann heute schon ein klein wenig mehr die Faust schliessen. Bin noch weit von einer richtigen Faust entfernt, aber das wird noch viel besser bis Oktober.

 

 

Die Hand nimmt jetzt mit jeden Therapietag mehr Zeit und Raum in Anspruch, aber das ist die meiste Zeit in Ordnung für mich. An ein oder zwei Tagen in der Woche bin ich dann aber immer so fertig, das ich es ein klein wenig lockerer angehen lassen. Also nicht "nichts machen" sondern einfach nur 2 Stunden Zeit investieren, damit mein Kopf auch wieder frei wird davon.

 

Im Oktober werden die Finger dann geröngt und es wird ein OP Termin besprochen. Den der Arzt meinte gestern, das die Finger in der Tat "zu krumm" sind, aber das man das korrigieren kann. Sie werden dann zwar nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu 100 % gestreckt, aber es würde doch eine deutliche Verbesserung zu jetzt geben. Im Gespräch war eine Arthrolyse der Fingergelenke. Da wird im Gelenk ausgeräumt und die vorab genähte Strecksehen wieder etwas angeritzt, wenn ich das richtig verstanden habe, um wieder mehr Streckung zu bekommen.

 

Danach sind wieder ein paar Autofahrer-Freie Wochen angesagt, noch intensivere Handtherapie und sehr, sehr konsquentes Üben. Hier gilt es anscheinend ab Tag 1 zu üben, aber mit großer Vorsicht, das die Sehnen nicht reißen. Ich bin mal gespannt.

 

Insgesamt stimmt mich das wirklich froh. Der Tag gestern hat mich geschlaucht. Ich bin nicht dafür gemacht, das ich 8 Stunden in der Öffentlichkeit bin, ohne irgendeine Form von Rückzugsmöglichkeit, um mal weniger Input in mein Hirn zu bekommen. Entsprechend lag ich schon um kurz nach 21.00 Uhr im Bett.

 

Die Nacht war unruhig und geprägt von gewalttätigen Träumen. Ich denke wohl, das lag an den Klettverband und den Schmerzen die ich damit hatte. Das hat mein Unterbewusstsein wohl in meine Träume verpackt.

 

Ich weiß aber auch, das das nur ein paar Tage anhält und danach wird es wieder besser.

 

So und jetzt geh ich mal Knete kneten und tue was für meine Fingerlein.

 

Ach ja, das Gefühl des "Versteinerns" ist in Wirklichkeit ein "reales Verknöchern" wenn man keine Therapie bekommt. Zum Glück bin ich noch privat unterwegs. Es kann also inzwischen durchaus sein (davon geht der Oberarzt auch aus), das sich kleine feste Teile in den Fingergelenken gebildet haben, die eine komplette Beuge verhindern. Sie liegen da im Gelenk wie Türstopper und lassen mechanisch nicht mehr zu. Allerdings war es bei der schwere der Verletztung auch dringend notwendig, das meine Finger wirklich für die 4 Wochen in Schienen regungslos gestellt wurden.

 

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