August 2015

 02.08.2015

 

WIE FÜHLT SICH DAS JETZT AN / WIE LEBT ES SICH MIT SCHLAUCHMAGEN

 

Als aller erstes und das habe ich in der SHG ziemlich schnell begriffen. Jedem geht es anders, jeder lebt anders danach. 100 Menschen mit OPs sind 100 verschiedene Lebensmodelle und Gefühle.

 

Die erste Nacht nach meiner OP war komisch. Ich habe unruhig geschlafen und ständig davon geträumt, das ich nicht genügend trinken kann. Zielvorgabe vom Arzt waren ja 1,5 Liter pro Tag zu schaffen. Das ging die ersten Tage überhaupt nicht. Ich habe Mini-Schlückchenweise Wasser geschlürft und sicherlich nicht getrunken. Auf der einen Seite der Respekt und die Angst den Magen zum platzen zu bringen. Und auf der anderen Seite: ich war nach einen halben Glas Wasser einfach für Stunden satt, satt, satt. Ich bin auch heute noch eine schlechte Trinkerin und ich habe mir inzwischen abgewöhnt mir deswegen einen Kopf zu machen. An manchen Tagen schaffe ich unglaubliche 2 Liter am nächsten Tag mit Ach und Krach 1 Liter. So what, das wird schon noch.

 

Überhaupt war mir die ersten Tage alles sehr supekt und ich war hin- und hergerissen zwischen Euphorie und "oh mein Gott, musste ich das wirklich durchziehen". Auch die Gefühlslage musste sich bei mir erst einpendeln.

 

Vieles hat sich inzwischen eingespielt. Ich freue mich jeden Tag tierisch darauf, auf die Waage zu gehen. Ich habe eingesehen, wenn ich nur dreimal am Tag esse, stockt die Abnahme. Esse ich vier bis fünf mal am Tag, gehts bergab mit mir. Mein tief verankertes, schlechte Gewissen möchte mich immer davon abhalten. Ich muss lernen umzuschalten.

 

Ich gestehe, Pepsi Light schmeckt wieder! Leider! ABER, ich trinke inzwischen keine 1,5 - 2,0 Liter am Tag davon. Nein, ich gönne mir pro Tag eine 0,5 L Flasche und das find ich voll ok. Den Rest fülle ich mit ungezuckertem Früchtetee auf, in den ich mich reinlegen könnte. Aber nur die eine Sorte.

 

Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann ist mein verändertes Geschmacksempfinden. Der Geschmack wird durch Nase und den Rezeptoren auf der Zunge bestimmt. Da wurde ich ja nun definitiv nicht operiert. Und trotzdem! Brötchen, egal welche Sorte und Toastbrot schmecken mir nicht mehr. Die haben einen komischen Geschmack, der ganz lange in meinem Mund bleibt. Ich mag Sauerteigbrot gerne, sehr gerne.

 

 

Mit gezuckertem Zeugs und Süßkram kann man mich echt jagen, die unglaublichste Erfahrung von allen Erfahrungen für mich.

 

 

Kaffee trinke ich ohne Milch und vor allem ohne Zucker. Vor 8 Wochen waren mind. 6 Teelöffel Zucker in einer großen Tasse Kaffee drin. Schlecht werden sollte es mir vor Zucker, genauso wollte ich das. Heute Schwarz und nur mit geschmacksneutralen Eiweißpulver drin.

 

 

 

DIE PSYHCHE UND SO MANCHE VORURTEILE VON AUSSEN

 

Vor dem Schritt mit der Magen-OP hatte ich großen Respekt. Hier bei uns in Deutschland ist das ein Spießrutenlaufen, wenn du was von der Krankenkasse willst. Ich hatte echt Glück, habe ich im Nachhinein festgestellt. Die Sachbearbeiterin labberte was von Selbstverstümmelung und warum ich trotz Sport nicht schlanker bin.

 

Ich habe seit meiner Jugend versucht abzunehmen und ich persönliche denke: wenn man die Kurve nicht früh genug bekommt, ist es ein mehr als nur schwer ab einer bestimmten Kilozahl. Ich habe das hier ja auch jahrelang mitverfolgt. Wie viele haben es den wirklich dauerhaft mit Ernährungsumstellung und Sport geschafft. Wenn man ehrlich ist, kann man sie leider an zwei Händen abzählen. Ich habe definitiv nicht dazugehört. Ich war ein JOJO auf zwei Beinen. Mal 15 Kilo runter und dann wieder 20 Kilo rauf.

 

Undiszipliniert? Zu faul?

 

Das habe ich auch meinen operiertenden Arzt und die Psychologin gefragt. Die Psychologin wäre beinahe hinterrücks vom Stuhl gefallen. Sie hat gemeint, da spielen so viele Faktoren eine Rolle und sie kennt kaum einen Menschen der so diszipliniert ist, wie Dicke. Wer sonst schafft es schon sich wochenlang nur von Trauben zu ernähren. Sich einer strikten Eiweißdiät zu unterwerfen oder wochenlang Kügelchen mit dem HCG Hormon zu vertilgen und das Essen auf max. 500 Kalorien runterzuschrauben. Ich war immer wochenlang überdiszipliniert und bin dann unter dem selbstauferlegen Druck zusammengebrochen und wieder in alte Verhaltenmuster zurück katapultiert worden.

 

 

 

Es ist wohl meist so, das die meisten zuviel auf einmal wollen und dann überfordert mit den Veränderungen sind.

 

Mein Arzt meinter nach der Untersuchung: "Ihr Stoffwechsel ist richtig schön runtergefahren. Auf Dauer ohne OP, das zeigt die Erfahrung, leider nur geringe Chancen."

 

Dann wird oft auch die Meinung vertreten, wer sich operativ helfen lässt geht den leichten Weg.

Also das stimmt nur in einer Sache. Ich habe viel, viel weniger Hunger und kann viel, viel weniger Essen.

Fülle ich meinen Magen mit Mayosachen weil ich meine Gelüste nicht im Griff habe oder verlustiere ich mich am Milchshake bei McDoof, dann hilft der kleinste Magen der Welt nicht.

 

 

Ich achte schon sehr auf meine Ernährung. Warum das jetzt auf einmal geht? Mein ganz eigener Geschmack hat sich zum Glück geändert.

 

Es ist einfach eine Erleichterung, satt vom Tisch aufzustehen. Ich esse Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Gemüse, Obst. Alles was mein Herz begehrt. Ich will meinen kleinen Magen nicht mit JunkFood füllen, weil ich es einfach nicht will.

 

Diese OP hat also nicht nur meinen Geschmack verändert, irgendwie bin ich jetzt achtsamer geworden was den Umgang mit Lebensmittel betrifft.

 

Ich wünschte, die deutschen Krankenkassen würden diesen Weg nicht so steinig gestalten, das die die ihn gehen wollen es einfacher haben. In der Süddeutschen steht ein interessanter und vor allem sachlicher Bericht. Es wäre ratsam solche OPs ab einem BMI 35, spätestens jedoch BMI 40 freizugeben. Den statistisch gesehen schafft es nur ein Bruchteil von Menschen ab einem BMI 35 ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren.

 

In unseren Nachbarländern werden solche OPs bei einer bestimmten BMI Grenze viel einfacher genehmigt.

 

Wichtig ist mir: es soll auf keinem Fall der Eindruck entstehen das sich jetzt jeder operieren lassen soll, weil man es anders nicht schafft. Schöner fände ich, wenn man die Vorurteile gegenüber solchen OPs verringert. Ist man dauerhaft zu dick, tut man seinem Körper auch nichts Gutes. Lässt man sich operieren, braucht man auch Disziplin und so manche Nahrungsergänzung.

 

 

Jeder Weg, egal welchen man wählt, hat Vor- und Nachteile.

 

 


09.08.2015

 

Wie das halt so ist im Leben. Und so hat ein Leben mit dem Schlauchmagen für mich auch zwei Seiten.

Die gute Seite
Das Essen spielt im Moment keine Rolle in meinem Leben mehr

Die ungewohnte Seite
Egal was ich esse, alles hat einen speziellen Beigeschmack.

Die Konsequenzen
Ich wähle aus was mein Körper braucht. Sprich, zu Anfang immer das Eiweiß und die Vitamine. Schaffe ich die KHs nicht mehr, dann ist das auch kein Drama mehr.
Dieses WE war grillen bei meiner Familie angesagt und es standen soviel leckere Sachen auf dem Tisch.
Zuerst kam die Fetacreme, etwas frischer Tomatensalat aus dem Garten und Lachs vom Grill. Ein paar Bissen Brötchen hatte ich mir natürlich auch auf dem Teller gelegt. Davon blieb aber mehr als die Hälfte übrig.

Beim Essen gehen halte ich mich an den Teller von meinem Lebensgefährten. Zum Glück essen wir beide sehr gerne Fisch oder Käse. Während der Biergarten-Zeit schon mal ideal.

DIE VERDAUUNG
Ist an einigen Wochen genau wie vor der OP und dann habe ich wieder 1 - 2 Wochen dabei, da geht gar nichts. Verdauung gleich null. Nicht nur das sich das mit einer geringeren Gewichtsabnahme bemerkbar macht. Blöder ist ehrlich das Gefühl zu müssen und nicht zu können.

Dabei sehe ich zwischen den beiden Phasen keinen Unterschied in meinem Trink- oder Essverhalten.

Ob das so bleiben wird? Keine Ahnung, die Zeit wird es zeigen. Bis dahin nehme ich eben alle paar Wochen mal ein paar Abführtropfen, wenn nach dem vierten Tag immer noch nichts geht.

MEINE GEDANKEN
Kreisen im Moment ständig ums Abnehmen und die OP. Meine arme Umwelt kann ich nur sagen. Jede noch so kleine Veränderung im Essverhalten oder an meinem Körper wird genauestens registriert. Es zeigen sich jetzt schon Knöchel oder Knochen, an die ich nicht mehr gedacht habe. Heute fielen mir das erste Mal wieder diese kleinen Knöchel außem am Handgelenk auf. Die waren, ich weiß nicht wieviel 20 Jahre verschollen.

Beim sitzen bekomme ich inzwischen definierte Kniegelenke im äußeren Bereich. Und ganz langsam schälen sich nun auch wieder meine Schlüsselbeine an die Oberfläche. Mein Freund hat heute morgen im Liegen meinen beiden untersten Knochen am Brustkorb entdeckt.
Wohlgemerkt, mein BMI beträgt immer noch um die 35 und ich bin meilenweit von schlank entfernt.

Oft denke ich nach, was ich im nächsten Jahr alles für Klamotten tragen kann. Und wie ich mich dann wohl im Sport anstelle. War heute schon stolz wie Bolle, als ich in meiner niegelnagelneuen dreiviertel Hose in den Sport kam. Ist ne Größe 44/46 und geht natürlich nur weil es Stretch-Qualität ist. Im Jeans-Leben taste ich mich gerade langsam an eine 46 ran.

SPORT WIRD LANGSAM ZUR DROGE
Mein Verhältnis zur Bewegung hat sich in den letzten Tagen sehr verändert. Ich merke natürlich wie meine Haut weicher wird und das macht mir Angst. Mein Freund merkt das und ist heute sogar mit zum schwimmen gegangen. Und das obwohl er schwimmen überhaupt nicht mag.
Ich bin eine halbe Stunde durchgeschwommen, wollte keine Zeit verschwenden und einfach nur mein Bindegewebe unterstützen. Wir waren noch nicht mal aus dem Bad raus, da habe ich ihn schon gefragt, ob wir das nächste Mal nicht eine komplette Stunde gehen könnten.

In zwei Wochen beginnt mein Urlaub. Ich fahre nicht mit fort sondern bleibe zu Hause. Und ich habe mir heute vorgenommen, mehrmals die Woche alleine schwimmen zu gehen. Das gab es bei mir in der Vergangenheit nicht, aber der Ansporn mein Bindegewebe so gut wie möglich zu unterstützen versetzt bei mir ganze Universen.

Bewegung beginnt nun wirklich Spass zu machen. Die Fahrradtour am Samstag war kurz aber für mich genial. Das erste Mal das ich Querfeldein auch mal meinen Hintern vom Sattel bekommen habe, wenn ein Schlagloch des Weges kam. Ich kam mir ultrasportlich vor, weil ich vorher nie mit so einer Geschwindigkeit querfeld ein gebrettert bin. Zumindest auf ebener Strecke habe ich gut mit meinem Freund mitgehalten. Bergab bin ich immer noch ein Angstschisser und halt mich verbissen an meiner Bremse fest. Aber mein Mut, die Ausdauer und Kraft werden größer.

Ich habe noch so einen alten Pilates-Schlitten aus meiner aktiven HSE24 Zeit bei meinem Freund untergebracht. Der kommt die nächsten Tage auch zu mir. Ich werde alles tun was nötig ist, um meinem Körper einen möglichst guten Start in sein neues Leben zu geben.


18. August 2015

Seit zwei Wochen plagt mich Verstopfung. Vielleicht habe ich bei der Hitze zu wenig getrunken, ich habe mich ständig dazu ermahnt. Vielleicht habe ich an dem Tag wo es anfing, einfach nur zuviel Käse gegessen. Ich hatte tagelang fast nur Käse und sonst nichts.
Eiweiß sorgt ja bekanntlich für Verstopfung.

 

Ich habe schon mehrmals mit Tropfen nachgeholfen. Flohsamenpulver habe ich zum Glück auch noch zu Hause gehabt. Ich bin jetzt darauf umgestiegen. Und morgens gibt es jetzt oft Müsli mit Chia-Samen, das regt die Verdauung ebenfalls an.

 

Einhergehend mit den Verdauungsproblemen ist natürlich der viel geringere Gewichtsverlust. Wenn man mehrere Wochen immer weit über 1 Kilo verliert, ist man echt verwöhnt. Und so hatte ich fest mit 81,? kg gerechnet, bis zur Hochzeit meines Bruder. Gut ich muss zugeben, das erste Ziel waren 84 kg. Aber die habe ich ja nun schon seit über 2 Wochen erreicht. Und man muss sich Ziele immer neu stecken.

 

Nun würde ich mich über eine stabile 82 echt freuen, auch wenn ich heimlich immer noch auf die 81,? kg linse. Man darf die Hoffnung ja nie aufgeben. ;-)

 

Meine Essensmengen sind weiterhin erstaunlich klein. Wobei ich heute etwas gemacht habe, was ich so schnell nicht mehr tun werde. Es gab zum Geburtstag von einem Kollegen "Drei im Weckla" und ich habe von Mittag bis Nachmittag kontinuierlich gegessen. Immer mal wieder einen Bissen. Und so habe ich 90 % vom Bratwurstbrötchen vertilgt. Kann ich nun nicht mehr ändern, kommt aber nicht mehr so schnell vor. Das ist nicht mein Ziel!

 

Ich muss jetzt umstellen, wenn ich es jetzt nicht schaffe schaffe ich es nie!


30.08.2015

 

HEY, ICH HABE KNOCHEN!

 

Und die treten zu meiner Freude und Verwunderung nach 17 verschwundenen Kilos so langsam wieder ans Tageslicht. Nicht das ich nicht gewußt hätte, das ich Knochen habe. Aber im Laufe der Zeit vergisst man doch, wo man bei normal gewichtigen Menschen eigentlich überall Knochen sehen kann.

 

Es ist nicht nur, das ich endlich wieder das berühmte Schlüsselbein freigelegt habe. Nein, das ist ja schon obligatorische Pflicht. Hey, ich habe schicke Kniescheiben, die sich langsam aber sicher wieder zeigen wollen. Und dann meine Handgelenke. Plötzlich formen sich Mulden und Erhöhung und zeigen die ersten Ansätze eines zarten, fraulichen Handgelenks. Ich kann meine Freude kaum in Worte fassen.

 

Und ich freue mich was sich noch alles zeigen wird, an das ich mich jetzt schon nicht mehr erinnern kann.

 

Ganz, ganz langsam habe ich nun auch diese Mulde an den äußeren Oberschenkeln, die der vordere und hintere Muskel bildet. Bisher war der Zwischenbereich zwischen den beiden Muskeln prall mit Fettgewebe ausgefüllt. Das fühlt sich irre gut an.

 

Meine Mode wird auch ganz langsam mutiger. Es sind nicht mehr die extrem weiten und verhüllenden T-Shirts die ich anziehe. Inzwischen dürfen die Shirts auch ein klein wenig enger geschnitten sein. Nein, nicht enganliegend sondern einfach nur körperbetonter. Heute morgen habe ich beim Anziehen einen kurzen Blick auf meine Kehrseite erhascht - nicht mal mehr so schlecht Herr Specht.

 

Es wird ganz langsam und wir man meinem Geschriebenen unschwer entnehmen kann bin ich stolz wie Oskar.

 

So viele Dinge ändern sich für mich gerade. Selbst beim Beine rasieren geht vieles leichter. Inzwischen lieg ich auf dem Rücken und strecke meine Beine einfach in die Luft und rasier drum herum. ;-) Wo sind hier die verdammten Smilies.

 

Ich freue mich jetzt schon, wenn es wieder 10 Kilos weniger sind.

 

Aktueller Stand sind - 17 Kilo!